Der astronomische Herbstbeginn

Auf ihrer Bahn um die Sonne passiert die Erde heute am 22.09.2017 jene Position, die auf der Nordhalbkugel den astronomischen Herbst einleitet. Die Sonne steht nun im Zenit über dem Äquator, wodurch ein ungefähres Gleichgewicht zwischen hellem Tag und dunkler Nacht hergestellt wird, und zwar weltweit. Man spricht daher auch von der Tagundnachtgleiche oder dem Herbstäquinoktium. Seit der Sommersonnenwende am 21. Juni nimmt die Sonneneinstrahlung auf die Nordhalbkugel stetig ab, die lichten Tage werden kürzer bis zum kürzesten während der Wintersonnenwende am 21. Dezember. Das Herbstäquinoktium bildet den Mittelpunkt dieses jährlichen ›Lichtabfalls‹.

 

Feste des Herbstes

Wenn im Herbst die Nacht und der lichte Tag im Gleichgewicht stehen, feiern die japanischen Buddhisten Shubun no Hi 秋分の日. Dieser Feiertag ist Teil eines siebentägigen Herbstfestes dem Aki no Higan 秋の彼岸. Der religiöse Hintergrund sieht in dieser Zeit eine besondere Zuwendung und Einübung der sechs ›Vollkommenheiten‹ vor: Gebefreudigkeit, Sittlichkeit, Geduld, Energie, Meditation und Weisheit.1 Durch sie öffnet sich der Weg in die ›andere Welt‹ (Higan), in jene der Erleuchtung, in der die Illusionen und das damit einhergehende Leid dieser Welt vergehen.
Traditionell ist an diesen Tagen der Besuch an den Familiengräbern vorgesehen. Hier erinnern die Japaner ihrer Ahnen, beten, reinigen die Gräber und versehen sie mit frischen Opfergaben, wie Blumen und Räucherwerk. Das Higan-Fest findet außerdem im März als Haru no Higan 春の彼岸 rund um die Frühlings-Tagundnachtgleiche (Shunbun no Hi  春分の日)2 statt.

Der Herbst trägt den Gedanken an die Vergänglichkeit mit sich, die Dunkelheit nimmt zu und bietet mehr Raum für die Ängste der Menschen. In diesem Kontext entstand Halloween, das am 31. Oktober auf den 01. November gefeiert wird. Auch wenn das Fest in erster Linie mit Amerika verbunden wird, so stammen die Ursprünge aus Europa genauer gesagt aus Irland, Schottland und Wales. Der Name geht auf das englische ›All hallow’s Eve‹ zurück und bezeichnet den Abend vor Allerheiligen. Nach dem Volksglauben verlassen in jener Nacht verstorbene Seelen, Dämonen und böse Geister das Jenseits und wandeln unter den Lebenden. In Irland wurden aus diesem Grund Feuer angezündet, um die bösen Geschöpfe zu vertreiben und für die zurückkehrenden Verstorbenen öffneten die Menschen ihre Türen und stellten für sie zusätzliches Gedeck mit auf den Tisch. In Schottland trugen junge Männer schaurige Kostüme und erschreckten die Leute.3
Mit den Einwanderern der Britischen Inseln kamen die Bräuche nach Amerika und entwickelten sich zu einem zentralen Fest, das seit Neustem auch in Europa immer mehr Beliebtheit genießt.

 

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Der Herbst ist für mich eine wunderschöne Jahreszeiten. Jedes mal aufs Neue genieße ich die Gerüche, die Farben, das Licht, selbst den Regen und den Sturm. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen fröhlichen Herbstanfang.

 

 

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›Feste‹

 

Quellen:
  • ›Tagundnachtgleiche: Tage sind nicht genau 12 Stunden lang‹, auf:https://www.timeanddate.de/astronomie/tagundnachtgleiche-12-stunden (19.09.2017).
  • ›Herbstanfang: Herbst-Tagundnachtgleiche‹, auf: https://www.timeanddate.de/astronomie/tagundnachtgleiche-herbst (19.09.2017).
  • ›Sommerdreieck und Merkursichtbarkeit am Septemberhimmel‹, auf: https://abenteuer-astronomie.de/septemberhimmel-sommerdreieck-und-merkursichtbarkeit/ (19.09.2017).
  • ›Tagundnachtgleiche zum Herbstanfang‹, auf: https://www.br.de/sternenhimmel/sonnenuntergang-sonnenaufgang-sonne-100.html (19.09.2017).
  • Kirste, Reinhard / Schultze, Herbert / Tworuschka, Udo: ›Die Feste der Religionen – Ein interreligiöser Kalender mit einer synoptischen Übersicht‹, Gütersloh 1995, S. 95 und 99.
  • ›Shubun no Hi – Herbstanfang in Japan | 秋分の‹, auf: https://nipponinsider.de/shubun-no-hi-herbstanfang-in-japan/ (20.09.2017).
  • Baroni, Helen J.: ›The Illustrated Encyclopedia of Zen Buddhism‹, New York 2002, S. 129.
  • Freiberger, Oliver und Kleine, Christoph: ›Buddhismus: Handbuch und kritische Einführung‹, Göttingen 2015, S. 259-260.
  • Borup, Jørn: ›Japanese Rinzai Zen Buddhism‹, Boston 2008, S. 286.
  • ›Aki no Higan – Herbst-Tagundnachtgleiche in Japan‹, auf: https://sumikai.com/japan/aki-no-higan-herbst-tagundnachtgleiche-in-japan-70086/ (20.09.2017).
  • ›Customs, Festivals, and Observances: The Japanese Year‹, auf: http://www.nippon.com/en/features/h10010/ (20.09.2017).
  • ›Halloween‹, auf: http://www.planet-wissen.de/kultur/fabelwesen/geister_und_grusel/pwiehalloween100.html (21.09.2017).
  • Krause, Arnulf: ›Die Welt der Kelten‹, Frankfurt/Main 2016, S.189-193.

 

 

Anmerkungen:
  • 1 Siehe Kirste, Reinhard / Schultze, Herbert / Tworuschka, Udo: ›Die Feste der Religionen – Ein interreligiöser Kalender mit einer synoptischen Übersicht‹, Gütersloh 1995, S. 95.
  • 2 Alle japanischen Schriftzeichen entstammen folgenden Seiten: https://nipponinsider.de/fruehling-in-japan/ (20.09.2017) und https://nipponinsider.de/shubun-no-hi-herbstanfang-in-japan/ (20.09.2017).
  • 3 Die Informationen aus diesem Abschnitt stammen aus: Krause, Arnulf: ›Die Welt der Kelten‹, Frankfurt/Main 2016, S.189-193.

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