Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)

Die Mythologie

Mit den symmetrischen, an den Rändern rund geschwungenen Blättern schmückt der Frauenmantel Wegränder und Gärten. Am Morgen bilden sich Wassertropfen an den Zacken der Ränder, die sich in den schalenförmigen Blättern zu schimmernden Wasserperlen vereinen. Damit zog der Frauenmantel schon so manchen Blick auf sich, inspirierte so machen Geist mit seinem märchenhaften Aussehen. Johannes Trojan (1837-1915) widmete der Pflanze ein Gedicht, in dem die Elfen die herrlichen Wasserperlen tranken:

Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt
Wie keines ringsherum es hat.
Mit zierlich eingekerbtem Rand
Ist für den Tau es angespannt,
Recht als ein Schälchen hingestellt,
In welches Perl auf Perle fällt.
So hebt es auf des Himmels Tau,
Der niedersinkt auf Flur und Au,
Manch Elflein gegen Morgen kommt,
Das dürstet, dem zu trinken frommt,
Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht:
Ein besseres Labsal gibt es nicht!1
(Johannes Trojan)

 

Doch nicht nur den literarischen Geist sprach der Frauenmantel an. Immer auf der Suche nach den entscheidenden Ingredienzien für ihre Experimente wurden die Alchemisten auf die von der Pflanze gebildeten Wasserperlen aufmerksam und sammelten sie. Der Frauenmantel erschien ihnen vielleicht selbst wie eine kleiner Alchemist, der das Wasser aus der Erde aufnahm und durch den Pflanzenkörper »läuterte«2. Der lateinische Name Alchemilla oder der Name Alchemistenkraut zeigt auf jeden Fall eine enge Verbundenheit zwischen dem Frauenmantel und den Alchemisten der Vergangenheit.

 

Die Heilfähigkeit

Das Frauenmantelkraut (Alchemillae herba) wirkt durch seine Gerbstoffe adstringierend (zusammenziehend) und eignet sich daher nach den Angaben der Kommission E (prüft pflanzliche Arzneimittel), für leichte unspezifische Durchfallerkrankungen. Weitere Indikationen sieht die Kommission E durch aktuell fehlende klinische Erfahrungsberichte noch nicht bestätigt. Doch traditionell nimmt der Frauenmantel eine der zentralsten Rolle in der Frauenheilkunde ein, worauf auch sein anderer Name ›Frauenhilf‹ hinweist. In diesem Kontext findet die Pflanze Verwendung bei der allgemeinen Regulierung des weiblichen Organismus, im Speziellen unter anderem bei Menorrhagie (verlängerte Monatsblutung), Dysmenorrhö (schmerzhafte Monatsblutung), klimakterische Beschwerden (wechseljahrbedingte Probleme), Gelbkörperschwäche, Ausfluss wie Fluor albus (innerlich als auch äußerlich in Form von Spülungen) und für die Kräftigung der Gebärmutter sowie die Förderung der Milchbildung. Dabei gilt zu beachten, dass Frauenmantel seine Wirkung erst bei regelmäßiger Verwendung entfaltet und nicht eine schnelle Lösung für ein aktuelles Problem liefert.
Des Weiteren weisen die wässrigen Auszüge (Tee) eine starke antioxidative Wirkung auf.
In der Volksheilkunde wird dem Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina) eine »harntreibende, krampfstillende und herzstützende Wirkung«3 nachgesagt.

 

Inhaltsstoffe:

  • Gerbstoffe (ca. 6-8%), die adstringierend (zusammenziehend) wirken
  • Flavonoide (ca. 2%)
  • Bitterstoffe
  • wenig ätherisches Öl

 

Nebenwirkungen:

Keine bekannt.

 

Kontraindikationen:

Keine bekannt.

 

Die Wirkung auf die Psyche

Der Frauenmantel schenkt Gleichgewicht und Gelassenheit. Es strafft das Denken und die Gefühle, um Ruhe und Ausdauer in schwierigen Situationen, für kommende Herausforderungen oder auch nur für den Umgang mit dem Alltag zu schaffen. Frauenmantel fördert die stille Entschlossenheit, die ihrem Weg folgt, ohne Aufsehen zu erregen.


Die Pflanzenmonografien dienen rein informativen Zwecken, daher werden auch keine Dosierungen genannt. Die vorgestellten Pflanzen sollten im Krankheitsfall nur nach der Rücksprache mit einem Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker angewandt werden! Die Autorin übernimmt keine Haftung.

Die Quellen:

  • Bäumler, Siegfried: Heilpflanzen Praxis heute, Porträts-Rezepturen-Anwendung; München 2007, S. 161-163.
  • Brooke, Elisabeth: Von Salbei, Klee und Löwenzahn, Praktisches Kräuterwissen für Frauen; Freiburg im Breisgau 1996, S. 128-134.
  • Bühring, Ursel: ›Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde, Grundlagen – Anwendung – Therapie‹, Stuttgart 2014, S. 649-650.
  • Fischer-Rizzi, Susanne: ›Medizin der Erde, Legenden, Mythen, Heilanwendung und Betrachtung unserer Heilpflanzen‹, München 1995, S. 84-89.
  • Pahlow, Mannfried: Das Grosse Buch der Heilpflanzen; München 2000, S. 136-137.
  • Ploberger, Florian: Westliche und traditionell chinesische Heilkräuter, Die 50 wichtigsten Rezepturen; München 2006, S. 291.
  • Schilcher, Heinz / Kammerer, Susanne / Wegener, Tankred: ›Leitfaden Phytotherapie‹, München 2007, S. 100-101.
  • Dr. rer. nat. Stumpf, Ursula: ›Von Magie bis Phytotherapie, Die Geschichte der Kräuter und Pflanzen, ihre Bedeutung und erfolgreiche Anwendung‹, Kandern 2010, S. 87-89.
  • Traversier, Rita / Staudinger, Kurt / Friedrich, Sieglinde: ›TCM mit westlichen Pflanzen, Phytotherapie – Akupunktur – Diätetik‹, Stuttgart 2005, 299-301.

 

Fußnoten und Anmerkungen:

1 Bäumler, Siegfried: Heilpflanzen Praxis heute, Porträts-Rezepturen-Anwendung; München 2007, S. 162 und Bühring, Ursel: ›Praxis-  Lehrbuch Heilpflanzenkunde, Grundlagen – Anwendung – Therapie‹, Stuttgart 2014, S. 649.

2 Fischer-Rizzi, Susanne: ›Medizin der Erde, Legenden, Mythen, Heilanwendung und Betrachtung unserer Heilpflanzen‹, München 1995, S. 84.

3 Bäumler, Siegfried: Heilpflanzen Praxis heute, Porträts-Rezepturen-Anwendung; München 2007, S. 163.

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