Salbei (Salvia officinalis)

Die Mythologie

Walahfridus Strabo (808 – 849 n. Chr.) ehrt in seinem Lehrgedicht über den Gartenbau den Salbei als nützliche Heilpflanze, der durch seine Verdienste die ewige Jugend verdient habe:

Lelifagus prima praefulget fronte locorum,
Dulcis odore, gravis virtute atque utilis haustu.
Pluribus haec hominum morbis prodesse reperta
Perpetui viridi meruit gaudere iuventa.1

Leuchtend blühet Salbei ganz vorn am Eingang des Gartens,
Süß von Geruch, voll wirkender Kräfte und heilsam zu trinken.
Manche Gebresten [sic schweizerisch für Gebrechen] der Menschen zu heilen, erwies sie sich nützlich,
Ewig in grünender Jugend zu stehen hat sie sich verdient.2

Dem Salbei sprach man während des gesamten Mittelalters eine starke Heilwirkung nach; in dem medizinischen Lehrgedicht der Hohen Schule zu Salerno (ca. 1050) stand, nur weil gegen den Tod kein Kraut gewachsen sei, müsse der Mensch überhaupt sterben, wenn er Salbei im Garten habe.

Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto?
contra vim mortis non est medicamen in hortis.3

Warum soll der Mensch sterben, dem Salbei im Garten wächst?
Gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen4

Wie so manche bedeutende Heilpflanze wurde auch dem Salbei magische Fähigkeiten zugesprochen. In Pommern soll die Pflanze für einen Liebeszauber verwendet worden sein:

Um die Liebe zu einer Person zu erwecken
nimm drei Salbeiblätter und schreibe
auf das erste: Adam und Eva;
auf das zweite: Jesus Maria
und auf das dritte deinen und ihren Namen.
Brenne diese Blätter zu Pulver und bringe sie der Person
zum Essen oder Trinken bei.5

Und angeblich vermochten Zauberer, mit Salbei einen Fluss austrocknen zu lassen.6

 

Die Heilfähigkeit

Den hohen Stellenwert des Salbeis in der Volksmedizin spiegelt sich in seinem lateinischen Namen Salvia, der von dem Wort ›salvare‹ abstammt, was soviel wie retten bedeutet. In der Phytotherapie findet die Heilpflanze Verwendung bei Verdauungsstörungen, wie Blähungen, Völlegefühl, Durchfall oder Entzündungen der Darmschleimhaut. So wirken auch die frisch gehackten Blätter als aromatisches Gewürz bei Salaten, Soßen, Eintöpfen, Fleisch und Fischgerichten verdauungsfördernd.
Als Gurgelmittel (Tee oder verdünnte Tinktur) kräftigt Salbei  das Zahnfleisch und hilft bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Bei trockenem Husten sollte aber auf Salbei verzichtet werden, da die Gerbstoffe weiter austrocknen und der Genesung entgegenwirken.
Bei übermäßiger Schweißsekretion empfiehlt sich die innere und äußere Verwendung der Heilpflanze, die die Produktion der Schweißdrüsen hemmt.
In der Volksmedizin wird Salbei außerdem als Tee beim Abstillen verabreicht.

 

Inhaltsstoffe:

  • 1-2,5% ätherisches Öl (α- und β-Thujon, Cineol, Campher)
  • bis 8% Lamiaceengerbstoff (z.B. Rosmarinsäure)
  • Diterpenbitterstoffe (z.B. Carnosol)
  • Steroide
  • Triterpene (hauptsächlich Ursolsäure)
  • 1-3% Flavonoide

Wirkungsmechanismen:

  • Das ätherische Öl und das Carnosol hemmen den Wachstum von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien und zeigen einen antioxidativen Effekt
  • Die Ursolsäure zusammen mit den Lamiaceengerbstoffen wirken äußerlich entzündungshemmend
  • Der Wirkstoffkomplex der Salbeipflanze wirkt außerdem fungistatisch (hemmt das Wachstum von Pilzen) und äußerlich/lokal virostatisch (gegen Viren)

 

Nebenwirkungen:

Bei einer Überdosierung der Alkoholauszüge oder des ätherischens Öls oder einem zu langen Gebrauch derselben kann es durch das Thujon zu Tachykardien, Hitzegefühl, Krämpfen und Schwindelgefühl kommen.

 

Kontraindikationen:

Während der Schwangerschaft sollte Salbei nur äußerlich verwendet werden.

 

Die Wirkung auf die Psyche

Die aromatisch riechende Pflanze steht für Klarheit; sie hilft bei der Verbalisierung von Gefühlen und Gedanken, fördert eine klare Kommunikation und lockert Blockierungen, die der eigenen Ausdrucksfähigkeit im Weg stehen. Ihre warme Wirkung trocknet geistige wie emotionale Sümpfe aus, in der Vergangenes modert, und stärkt den Pragmatismus.
Salbei sollte aber nicht von Menschen eingenommen werden,  die zu viel Hitze in sich tragen, da die Heilpflanze in dem Fall nicht harmonisiert, sondern weiter austrocknet.

 


Die Pflanzenmonografien dienen rein informativen Zwecken, daher werden auch keine Dosierungen genannt. Die vorgestellten Pflanzen sollten im Krankheitsfall nur nach der Rücksprache mit einem Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker angewandt werden! Die Autorin übernimmt keine Haftung.

Die Quellen:

  • Bäumler, Siegfried: Heilpflanzen Praxis heute, Porträts-Rezepturen-Anwendung; München 2007, S. 349-352.
  • von Bingen, Hildegard: Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Dinge; Rüdesheim/Eibingen 2012, S. 68-69.
  • Brooke, Elisabeth: Von Salbei, Klee und Löwenzahn, Praktisches Kräuterwissen für Frauen; Freiburg im Breisgau 1996, S. 237-244 .
  • Bühring, Ursel: ›Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde, Grundlagen – Anwendung – Therapie‹, Stuttgart 2014, S. 137, 249, 349, 527 .
  • Dr. Mahn, Manuela: ›Gewürze – Das Standardwerk‹, München 2014, S. 96-97.
  • Pahlow, Mannfried: Das Grosse Buch der Heilpflanzen; München 2000, S. 266-268.
  • Ploberger, Florian: Westliche und traditionell chinesische Heilkräuter, Die 50 wichtigsten Rezepturen; München 2006, S. 345.
  • Rippe, Olaf / Madejsky, Margret: Die Kräuterkunde des Paracelsus, Therapie mit Heilpflanzen nach abendländischer Tradition; Baden und München 2009, S. 303, 328-331
  • Schilcher, Heinz / Kammerer, Susanne / Wegener, Tankred: ›Leitfaden Phytotherapie‹, München 2007, S. 229-230.
  • Dr. rer. nat. Stumpf, Ursula: ›Von Magie bis Phytotherapie, Die Geschichte der Kräuter und Pflanzen, ihre Bedeutung und erfolgreiche Anwendung‹, Kandern 2010, S. 242-245.
  • Traversier, Rita / Staudinger, Kurt / Friedrich, Sieglinde: ›TCM mit westlichen Pflanzen, Phytotherapie – Akupunktur – Diätetik‹, Stuttgart 2005, S. 396-398.

 

Fußnoten und Anmerkungen:

1 De cultura hortorum sive Hortulus, IV Salvia; auf: https://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost09/Walahfrid/wal_ho01.html#04 (29.01.2018)

2 Salvia, auf: http://www.gartenspaziergaenge.de/der-hortulus-des-walahfrid-strabo-2/salvia/ (29.01.2018)

3 Regimen sanitatis Salernitanum: Das medizinische Lehrgedicht der Hohen Schule zu Salerno ed. P. Tesdorpf/Th. Tesdorpf-Sickenberger, 1915; auf: https://www.hs-augsburg.de/~harsch/Chronologia/Lspost11/Regimen/reg_sana.html (29.01.2018)

4 Bäumler, Siegfried: Heilpflanzen Praxis heute, Porträts-Rezepturen-Anwendung; München 2007, S. 351.

5 Dr. rer. nat. Stumpf, Ursula: ›Von Magie bis Phytotherapie, Die Geschichte der Kräuter und Pflanzen, ihre Bedeutung und erfolgreiche Anwendung‹, Kandern 2010, S. 243.

6 Ritter von Perger, Anton: ›Deutsche Pflanzensagen‹, Stuttgart und Oehringen 1864, S. 144.

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